david stern
Titel Orte des Novemberpogroms 1938 in Innsbruck
 
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BEETHOVENSTRASSE - Stadtteil Saggen
 

Beethovenstraße 5

Hausnummer Beethovenstrasse 5

 

Julius Popper war mit Laura Weiß verheiratet, sie hatten zwei Söhne, Siegfried und Robert und wohnten seit 1936 im 1. Stock der Beethovenstrasse 5.

In der Pogromnacht läutete es um 1:30 Uhr an der Tür Sturm, 10 Männer stürzten in die Wohnung und brachten das Ehepaar mit einem Auto zur Sillmündung in der Nähe der Foradori Fabrik, später Tiroler Lodenfabrik. Dort warfen sie das Ehepaar in den Fluss. Die 65jährige Laura konnte sich und ihren auf einem Auge erblindeten 75jährigen Mann ans Ufer retten.

Danach baten sie beim Portier der Foradori Fabrik um Einlaß. Anstatt die Rettung für den  erschöpften Mann zu verständigen, wurde die Polizei alarmiert und Julius Popper verhaftet.
Laura besorgte sich bei Fanny Krieser trockene Kleidung und brachte diese zur Gestapo in die Bienerstraße, wo ihr eine Angestellte half, die Kleidung an Julius weiterzureichen. Beim Besuch der Familien Bauer, Adler und Kappelsberger wurde sie Zeugin des blutigen Ausmaßes des Pogrom.

Die Nacht musste sie im Versicherungsbüro ihres Mannes verbringen, da die Einrichtung der Wohnung zerstört war. (1, 3)

Beethovenstrasse 5

November 2008 © Thomas Kleissl

Sill Fluß

Sill, Jänner 2013 © Manfred Mühlmann

 

Julius Popper war von 1900 bis 1914 Vertreter von Schiffahrtsgesellschaften und arbeitete u.a. für die Reedereien United States Line, Red Star Line und  White Star Cunard Line. Von 1918 bis 1938 war er für die Versicherung Victoria zu Berlin in Tirol und Vorarlberg tätig. Nach dem Anschluß im März 1938 wurde er entlassen. (2)

Laura Weiß wurde in Bielitz an der Grenze von Deutschland und Polen geboren und entstammt der kinderreichen Familie von Solomon und Klara Weiß.

In ihrer früheren Wohnung in der Falkstraße 27 im Saggen veranstaltete die musikalische Familie regelmäßig Kammerkonzerte. Julius besaß eine grosse Instrumentensammlung (Violinen, Violas und Celli) und spielte selbst Geige. Laura spielte Klavier und Harmonium. Der älteste Sohn Siegfried -  "Friedl" lernte Geige beim Violinvirtuosen Alwin Kappelsberger, der jüngere Sohn Robert Cello bei Herman Bayer. Gemeinsam besuchten sie oft die Innsbrucker Symphoniekonzerte.

Siegfried Popper wurde Handelskaufmann,  wanderte 1938 mit seiner Frau Lisl Hirschfeld nach England und später in die USA aus.

Robert Popper war Mitglied in der zionistischen Organisation "Blau-Weiss", feierte 1935 die Promotion zum Doktor der Medizin an der Leopold Franzens Universität in Innsbruck, praktizierte als Spitalsarzt von 1935 bis 1937 in Wien und musste sein Zahnarztstudium im März 1938 abbrechen. Mithilfe eines gefälschten Reisepass bekam er ein Transitvisum nach Lithauen, wo er sich von September 1938 bis Jänner 1939 in Riga aufhält.

Die  Instrumentensammlung konnte mithilfe des amerikanischen Studenten Richard Hoefener über die Schweiz und später in die USA in Sicherheit gebracht werden. Robert selbst gelang die Flucht über England in die USA, wo er seine Medizinkarriere fortsetzen konnte.

Die Eltern emigrierten nach England, wo sie ihren ältesten Sohn Siegfried wiedersahen. Laura starb 1943 und Julius 1944 in einem Altersheim. Zu einem Wiedersehen mit Robert kam es nicht mehr. (3)


Familie Laura und Julius Popper mit Söhnen Robert und Siegfried

Von links: Robert, Laura, Siegfried und Julius Popper

Foto: Courtesy of Leo Back Institute (a)
Julius Popper Red Star Line

Anzeige Julius Popper, 1905 (b)

 

Hinweis:  Ich danke dem Leo Back Institute für die Verwendung des Fotos der Familie Popper und die Digitalisierung der Aufzeichnungen von Robert Popper.
 



Bis Oktober 1938 wohnte auch der letzte Rabbiner Dr. Elimelech Rimalt mit seiner Frau Dr. Wilma Rimalt, geb. Gelmann sowie deren beiden Söhnen David und Benjamin in der Beethovenstraße 5, im 3. Stock. Sie übersiedelten zuerst nach Wien und flüchteten dann nach Israel.

Dr. Elimelech Rimalt (c)

 

 

 

 

 

Stadtrundfahrt

 

update 26.12.2012

 

 

 

Literatur:

Thomas Albrich / Michael Guggenberger

- "Nur selten steht einer dieser Novemberverbrecher vor Gericht" - Die strafrechtliche Verfolgung der Täter der so genannten "Reichskristallnacht" in Österreich, Holocaust und Kriegsverbrechen vor Gericht - Der Fall Österreich, StudienVerlag 2006, S 26-56

Martin Achrainer

- Das Pogrom-Denkmal, in: Gabriele Rath / Andrea Sommerauer / Martha Verdorfer (Hg.), "Bozen Innsbruck - zeitgeschichtliche stadtrundgänge", Folio Verlag 2000, S 85 - 89

Tuviah Friedman

- Die Kristall-Nacht, 9. November 1938, Dokumentarische Sammlung, Haifa 1993

Michael Gehler

- Spontaner Ausdruck des "Volkszorns"?, Neue Aspekte zum Innsbrucker Judenpogrom vom 9./10. November 1938, in: Zeitgeschichte, 18.Jahr, Okt.1990-Dez.1991, Heft 1-12

Gretl Köfler

- Die "Reichskristallnacht", in: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hg.) - Widerstand und Verfolgung in Tirol 1934 bis 1945 - Österreichischer Bundesverlag Wien 1984, Band 1, S 448-462

Robert Popper

< Austrian Memories > Leo Baeck Institute, 1999

Horst Schreiber

- Jüdische Geschäfte in Innsbruck - Eine Spurensuche, Projekt des Abendgymnasiums Innsbruck; Tiroler Studien zu Geschichte und Politik 1, Michael-Gaismair-Gesellschaft (Hg.) , StudienVerlag 2001

Gad Hugo Sella

- Die Juden Tirols - Ihr Leben und Schicksal, Israel 1979

 

Quelle:
(1) Laura Popper, Brief an ihre Kinder vom 18.11.1938 - in "Austrian Memories by Robert Popper", <Robert Popper Collection, 1909-1999>, Leo Baeck Institute - http://access.cjh.org/home.php?type=extid&term=1177611#1 - last visit 26.12.2012

(2) http://www.crt-ii.org/_awards/_apdfs/Sechzig_FG.pdf

(3) "Austrian Memories by Robert Popper" - Leo Baeck Institute

Bildernachweis:
(a) Family Popper - Courtesy by Leo Baeck Institute < Robert Popper Collection, 1909-1999 >

(b) Der Burggräfler, Meraner Anzeiger, 4.10.1905, Nr.79, XXIII. Jahrgang, Seite 11 - Digitale Bibliothek Dr. Teßmann -
http://dza.tessmann.it/tessmannPortal/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/7/2/04.10.1905/50874/1

(c) Elimelech Rimalt - http://en.wikipedia.org/wiki/Elimelekh_Rimalt

 

© 2000 - 2016 Manfred Mühlmann