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Titel Orte des Novemberpogroms 1938 in Innsbruck
 
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Konzert 75 Jahre Novemberpogrome

Concert 75th Anniversary "Kristallnacht"

 
 
Plakat Innsbruck
 

Zur Erinnerung an die Novemberpogrome 1938 fanden im November 2013 Konzerte in Innsbruck, Dornbirn und Brixen statt.

Am Abend des 10. Novembers fand das Konzert in Innsbruck im Veranstaltungszentrum VIER UND EINZIG statt. Auf dem Programm standen die "Studie für Streichorchester " von Pavel Haas, das "Concerto funebre für Bratsche und Streicher - den Innsbrucker Opfern der Kristallnacht 1938 gewidmet" von Bert Breit und "Nocturne für Tenor, 7 obligate Instrument und Streichorchester, Op. 60" von Benjamin Britten. Den Ehrenschutz für das Konzert übernahm Nationalratspräsidentin Barbara Prammer.

Am Freitag, 8. November 2013 fand ein Konzert mit identem Programm in der Freinademetzkirche in Milland bei Brixen, Italien statt. Dieses Konzert wurde von der Brixner Initiative Musik und Kirche - www.musikkirche.it - in Zusammenarbeit mit dem Kulturverein Brixen Musik organisiert.

Das Konzert in Dornbirn in Vorarlberg fand am Vormittag des 10. Novembers im Rahmen des Festivals Texte & Töne des Ensemble Plus im ORF Landesfunkhaus statt. http://www.ensembleplus.at/festival-texte-und-tone/ . Neben dem "Concerto funebre" von Bert Breit wurde das "Konzert für Viola d´amore und Kammerorchester" von MFP Huber aufgeführt.

Ausführende der Konzerte waren das Orchester der Akademie St. Blasius unter der Leitung von Dirigent Karlheinz Siessl sowie die Solisten Andreas Ticozzi, Bratsche und Brenden Gunnell, Tenor.

Kooperationspartner für die Konzerte waren Akademie St. Blasius, Israeltisiche Kultusgemeinde für Tirol und Vorarlberg, Manfred Mühlmann als Projektbetreiber von novemberpogrom1938.at , Kulturverein Brixen, Ensemble Plus, ORF Vorarlberg und VierUndEinzig.

Links:

 

Logo Vierundeinzig

 

Presseberichte & Texte & Fotos zum Downloaden:

  • Konzertkritik Brixen von C.F. Pichler in den Dolomiten PDF-Datei Brixen
  • Bericht über das Festival Texte & Töne und vom Konzert in Dornbirn auf der Internetseite Kulturzeitschrift.at
  • Konzertkritik Innsbruck von Armin Berger in der Tiroler Tageszeitun PDF TT und Franz Gratl in der Kronenzeitung PDF Krone
  • Plakat für Konzert in Innsbruck - PDF Datei (4,2 MB)
  • Programmheft für Konzert Innsbruck inklusive Vorwörter von Nationalratspräsidentin Mag.a Barbara Prammer, Dr.in Esther Fritsch, Kulturlandesrätin Dr.in Beate Palfrader und Bürgermeisterin Mag.a Christine Oppitz-Plörer - PDF Datei ( 966 KB)
  • Fotos von Stefan Runge vom Konzert in Innsbruck im VierUndEinzig
  • Videos Konzertankündigung deutsch / englisch
  • Informationen zu den Komponisten und Werken

 


 

 

 

 

 

Komponisten & Werke:

Bert BREIT

geboren 25. Juli 1927 Innsbruck

gestorben 17. September 2004 Innsbruck

Bert Breit

© Matthias Breit

Der Tiroler Komponist, Fotograf und Journalist Bert Breit hat ein umfangreiches und beispielloses Werk geschaffen. Seine Kompositionen, Radiofeatures, Hörspiele und Filmarbeiten zeugen von einer kreativen Vielfalt. Der 1927 in Innsbruck geborene Bert Breit kam mit 17 Jahren im April 1945 wegen Mitgliedschaft bei der Widerstandsgruppe Franz Mair als politischer Häftling der Gestapo Innsbruck ins Arbeitserziehungslager Reichenau.

Nach dem Krieg studierte er Musik in Innsbruck und Salzburg. Er gründete den Kammerchor Walther von der Vogelweide, war langjähriger Leiter der Abteilung Ernste Musik beim ORF Radio Tirol. Er komponierte Filmmusik für Regisseure wie Axel Corti, Wolfram Paulus, Christian Berger, Xaver Schwarzenberger, u.v.a. Er gestaltete zahlreiche Signations für Radiosendungen, u.a. für Axel Corti´s "Der Schalldämpfer".

Breit setzte sich in seiner Arbeit viel mit dem Nationalsozialismus auseinander. Sein 1997 entstandenes Werk “Concerto funebre für Bratsche und Streicher" widmete er "den Innsbrucker Opfern der Kristallnacht 1938".  Zitat Bert Breit "...Die Widmungen haben inhaltliche Bedeutung. Für mich sind sie wichtig, weil ich nicht selten das Gefühl hatte, als musikalisch Schaffender ohnmächtig zuschauen zu müssen." Durch die hervorgehobene Widmung machte Breit Kompositionen zum Mahnmal, so auch:

  • “Impulse. Konzert für Violine und Streicher (1989) - Rosa Winter gewidmet, die wie die meisten ihrer Zigeunerschwestern und -brüder von Staat und Gesellschaft um ein menschenwürdiges Dasein betrogen wurde.” und
  • Stationen. Für Violine, Violoncello und Streicher (1995) - Den beim Judentreiben 1945 Getriebenen. Und jenen, die den Getriebenen zu helfen versucht und geholfen haben.” und
  • "Schibboleth. Trio für Violine, Violoncello und Klavier (1996) - für Wolfgang Tschernutter, obdachlos, der von Jugendlichen erschlagen wurde." .

Literatur & Quelle:

  • Bert Breit Homepage - www.breit.biz
  • Bert Breit - Dokumentation und Hommage für Bert Breit zum 75er - Hg. Othmas Costa, Eigenverlag 2002

 

 

 

Pavel HAAS

geboren 21.06.1899 Brünn

gestorben 18.10.1944 KZ Auschwitz-Birkenau

Pavel Haas

Foto Wikipedia

Der tschechische Komponist Pavel Haas studierte Klavier und Musiktheorie in Brünn. Er gilt als einer der bedeutendsten Schüler von Leoš Janácek. Er arbeitete als Opernkorrepetitor in Brünn und Saarbrücken. Sein Bruder Hugo Haas war Schauspieler und verhalf ihm zu Kompositionsaufträgen für Theater und Film. Die Uraufführung seiner Oper Šarlatán / Der Scharlatan am 2. April 1938 in Brünn war ein großer Erfolg.

Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in die Tschechoslowakei wurde die Musik von Haas wegen seiner jüdischen Abstammung auf die Verbotsliste gesetzt. Durch eine Scheidung von So?a Jakobson versuchte er, das Leben seiner Frau und der gemeinsamen Tochter zu schützen. Am 2. Dezember 1941 wurde Haas in das KZ-Theresienstadt deportiert, wo er mit anderen jüdischen Komponisten wie Hans Krása und Victor Ullmann zusammentraf. Der Komponist Gideon Klein verhalf Pavel Haas die Rückkehr zur Kompositon.

Seine 1943 entstandene "Studie für Streichorchester / Studie pro smyccovy orchestr" wurde am 23. Juni 1944 in Theresienstadt anläßlich des Inspektion des Internationlen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) uraufgeführt. Ausschnitte des Konzerts wurden von den Nationalsozialisten für den Propagandafilm"Der Führer schenkt den Juden eine Stadt" verwendet. Im Oktober 1944 wurden die künstlerischen Aktivitäen in Theresienstadt eingestellt. Am 16. Oktober 1944 wurde Pavel Haas in das KZ Auschwitz-Birkenau deportiert und dort am 18. Oktober ermordet.

Dem Dirigent der Uraufführung Karel Ancerl gelang die Rettung des Notenmaterials für die Streicher. Er rekonstruierte später die Paritur. Die "Studie für Streichorchester" zählt heute zu den meistgespielten Werken von Pavel Haas.

Literatur & Quelle:

 

 

 

Benjamin BRITTEN

geboren 22.11.1913 Lowestoft, Suffolk

gestorben 04.12.1976 in Aldeburgh, Suffolk

Benjmanin Britten

1955 © BPF Britten-Pears Foundation

Der englische Komponist, Dirigent und Pianist Benjamin Britten wäre am 22. November 2013 100 Jahre alt geworden. Er wurde am 22. November 1913 in Lowestoft in Suffolk in Südengland geboren. Er wurde von Künstlerpersönlichkeiten wie dem Dichter W.H. Auden und dem Komponisten Frank Bridge stark beeinflusst. Als überzeugter Pazifist verweigert er den Kriegsdienst. Sein

1948 gründete er das Aldeburgh Festival Zahlreiche Opern und Liederzyklen basieren auf literatische Vorlagen von namhaften Schriftstellern wie Herman Melville, Henry James, Wystan Hugh Auder, William Shakespeare, Thomas Mann u.a. Die Worte des britischen Dichters Wilfred Owen "My subject is war, and the pity of war, the Poetry is in the pity …all a poet can do today is warn. / Mein Thema ist der Krieg und das Leid des Krieges. Alles, was ein Dichter heute tun kann, ist warnen." vertonte Britten in seinem pazifistischen Manifest des "War Requiem". Am 30. Mai 1962 wurde das Requiem zur Einweihung der neuaufgebauten St. Michael´s Cahtedral unter der Leitung des Komponisten und mit den Solisten Dietrich Fischer-Dieskau, Heather Harper und Peter Pears uraufgeführt. Pears war der langjährige Lebensgefährt von Benjamin Britten.

Der Liederzyklus "Nocturne for tenor, 7 obligato instruments and strings", Op. 60 wurde am 16. Oktober 1958 uraufgeführt. Benjamin Britten widmete den Zyklus Alma Mahler.

Literatur & Quellen:

 

Logo Britten 100


 


 

Vorwörter zum Programmheft für Konzert in Innsbruck

 

Nationalratspräsidentin Mag.a Barbara Prammer - Ehrenschutz für Konzert

Am 9. November jähren sich zum 75. Mal jene Ereignisse, die als Novemberpogrom in die Geschichte eingegangen sind. Die Plünderung und Zerstörung jüdischen Eigentums, die grausame Ermordung jüdischer Bürgerinnen und Bürger in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 und die Deportation von über 4.000 Jüdinnen und Juden stellen eine Zäsur dar: in dieser Nacht wurde die systematische Verfolgung und Vernichtung jüdischer Bürgerinnen und Bürger vom NS-Regime eingeleitet.

Das Gedenken an die Geschehnisse von damals ist ein Grundstein meiner politischen Überzeugung, denn im Verstehen der eigenen Geschichte liegt der Schlüssel zu einer menschenwürdigen Gegenwart. Immer wieder aufs Neue stellt sich uns eine Aufgabe: gegen Menschenverachtung aufzustehen und sich zur Wehr zu setzen.

Darin nie nachzulassen sehe ich als Aufgabe der Politik. Je weiter die Ereignisse der Jahre 1938 bis 1945 in der Ferne liegen, desto wichtiger wird es, den Wettlauf gegen die Zeit aufzunehmen. Mit dem Sterben der letzten Zeitzeugen wird unser aller Verpflichtung noch dringlicher, die Erinnerung zugänglich zu halten. In diesem Sinne meine ich, dass die aktive Auseinandersetzung mit unserer Geschichte jeden etwas angeht. Rund um das 75-jährige Gedenken an die Novemberpogrome werden in Österreich zahlreiche Veranstaltungen abgehalten. Es macht mich stolz zu sehen, wie selbstverständlich es in weiten Teilen Österreichs geworden ist, der Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken. Bemerkenswert ist, dass diese Initiativen aus der Bevölkerung kommen.

Die Konzertreihe 75 Jahre Novemberpogrom ist eine jener Veranstaltungen, die mich besonders berührt. Karlheinz Siessl, künstlerischer Leiter der Akademie St. Blasius und Manfred Mühlmann ist es gelungen, dass erstmals in Tirol das Werk von Bert Breit "Concerto funebre für Bratsche und Streicher" aufgeführt wird. Gewidmet hat Bert Breit die Komposition den Opfern der Innsbrucker "Kristallnacht." In Innsbruck waren die Pogrome besonders grausam. Für mich bedeutet die Aufführung des Stücks eine Erinnerung an diese Menschen und verhilft diesen – in unseren Gedanken - zu Unsterblichkeit.

In diesem Sinne meine ich, ein einzelnes Lied kann die Welt verändern.
Ich wünsche Ihnen einen interessanten musikalischen Abend
.


 

Vorwort Dr.in Beate Palfrader, Landesrätin für Bildung Familie und Kultur

Die Vergangenheit ist niemals tot, sie ist nicht einmal vergangen.“ Was William Faulkner 1950 in Bezug auf die Rassenkonflikte in den amerikanischen Südstaaten sagte, gilt wohl generell, gilt für Österreich und gilt insbesondere für die Vergangenheit des 20. Jahrhunderts: So wie der Faschismus und Nationalsozialismus nicht aus dem Nichts entstanden, verschwanden sie auch nicht im Nichts. Die Generation der Zeitgenossen hatte sich nach 1945, mit der Bewältigung der eigenen Verluste, der Kriegsschäden und dem Wiederaufbau beschäftigt, rasch auf die Opferrolle verständigt und sich in Bezug auf die eigene Täterschaft mehrheitlich auf das Vertuschen und Vergessen geeinigt. Das galt natürlich auch für Eruption der Barbarei in jener Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, die in Innsbruck ganz besonders grausam war. Doch auch wir, die Generationen der Kinder und Enkel, erleben immer wieder schmerzlich, wie diese Geschichte von damals Familien bis heute verformt und auch als Belastung auf uns Nachgeborenen ruht.

Die immer wieder an Einzelfällen eruptiv aufbrechende Auseinandersetzung um die Restitution von NS-Raubgut oder die seit zwei Jahren in Tirol teils heftig geführte Debatte um die tiefe Verstrickung von Exponenten der Tiroler Volkskultur in den Nationalsozialismus zeigen, dass es nicht nur zu wichtigen Themen, wie etwa der Kontinuität von Strukturen und Haltungen vor 1938 und nach 1945, zu wenige wissenschaftlich gestützte Erkenntnisse gibt. Deutlich wird auch, dass der Zugang zu diesen Fragen vielerorts noch von Irrationalismen verstellt ist und es immer noch an wissensbasierten, kulturell gefestigten Formen des Umgangs mit dieser Geschichte und ihrem Erbe mangelt.

Der Befund ist klar: Eine Gesellschaft, die wesentliche Teile ihrer Geschichte aus ihrem kulturellen Gedächtnis verdrängt, bleibt gefangen in eben dieser Geschichte. Die Aufführung des „Concerto funebre“ von Bert Breit und der Studie für Streichorchester von Pavel Haas ist ein wichtiges kulturelles Zeichen gegen die Verdrängung – und also ein wichtiger Beitrag zu einer gerechten Erinnerung. Als Bildungs- und Kulturreferentin der Tiroler Landesregierung habe ich mit der Etablierung eines Förderungsschwerpunkts „Erinnerungskultur“ einen hoffentlich nachhaltig wirksamen Beitrag zur Weiterentwicklung des kulturellen Gedächtnisses zu leisten versucht: Ab 2014 stehen jährlich beachtliche Mittel für wissenschaftliche und für Vermittlungsprojekte zur Verfügung, die sich der Entwicklung der kulturellen Institutionen, insbesondere der Volkskultur im Nationalsozialismus widmen. Besonders sollen dabei Projekte gefördert werden, an denen Nachwuchswissenschaftler beteiligt sind, wie auch Projekte der Übersetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in die kulturelle Praxis der Vereine und Verbände.

Ich danke den Initiatoren und Veranstaltern der Konzertreihe „Erinnern“ für ihre Sorgfalt und ihre Hartnäckigkeit und wünsche den Aufführungen die ihnen gebührende große Aufmerksamkeit.

 

Vorwort Mag.a Christine Oppitz-Plörer, Bürgermeisterin der Landeshauptstadt Innsbruck

Das Wissen von der Vergangenheit stärkt die Verantwortung für die Zukunft. Die Geschehnisse des Novemberpogroms 1938 gehören zu den schrecklichsten Ereignissen, die sich auf den Straßen der Tiroler Landeshauptstadt abgespielt haben. Umso wichtiger ist es, heute – 75 Jahre später – den Opfern von damals zu gedenken. Unsere Stadt setzt sich aktiv mit der Vergangenheit auseinander und stellt sich der Verantwortung. So ging Innsbruck etwa mit der Einrichtung einer Expertenkommission zur Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in städtischen Heimen einen ganz besonderen Weg. Und auch der österreichweit einzigartige Beschluss des Innsbrucker Gemeinderates, einstimmig zwei Sozialehrenzeichen posthum abzuerkennen, ist ein mutiger Schritt in die richtige Richtung. Darüber hinaus wird mit der Verleihung des Verdienstkreuzes der Stadt an vertriebene jüdische MitbürgerInnen ein Zeichen der Versöhnung gesetzt. Bis heute schmerzen die Ereignisse der Pogromnacht und sind eine offene Wunde unserer Stadt.

Veranstaltungen wie dieses Konzert erinnern an das Schicksal unserer jüdischen MitbürgerInnen, sodass wir die Geschehnisse – die Teil unserer gemeinsamen Geschichte sind – niemals vergessen. Themen, über die man spricht, verleiht man Bedeutung und so kommt diesem Gedenkkonzert ein hoher Nachhaltigkeitswert zu.

 

Vorwort Dr.in Esther Fritsch, Präsidentin der IKG für Tirol und Vorarlberg

Häufig und in unterschiedlichen Kontexten begegnet uns in der Bibel der Aufruf „Erinnere dich…!“ - so wurde „Erinnerung“ ein wesentliches Element unserer jüdischen Kultur. Daher ist es uns ein Bedürfnis und eine Pflicht („Mitzwah“), uns der Ereignisse unserer Geschichte zu erinnern, der Opfer zu gedenken, sie zu betrauern und Gebete für sie zu sprechen. Dies ist aber nicht ein Blick, der an der Vergangenheit hängen bleibt, sondern der vielmehr die Kraft zu einer verändernden Gestaltung unser aller Zukunft in sich trägt.

Erinnerung braucht Orte. Ein solcher ist das Denkmal am Landhausplatz, das die Jugend Tirols („Landtag der Jugend“) initiiert und 1997 errichtet hat. Dort gedenken wir der Opfer der Pogromnacht vom 9./10. November 1938, besonders der vier in Innsbruck Ermordeten. Mit seinem „Concerto funebre“ hat der Tiroler Komponist Bert Breit ebenfalls im Jahr 1997 einen hörbaren „Erinnerungsort“ geschaffen, der uns auf eine ganz andere, ungewöhnliche Art erinnern und gedenken lässt.

Die Pogromnacht war das Fanal zum millionenfachen, industriell betriebenen Mord an den europäischen Juden, zur Shoah. Dieses Jahrhundertverbrechen gehört zur europäischen Geschichte, ist Teil unserer Vergangenheit. Daher ist es die Pflicht der nachgekommenen, unschuldigen Generationen, diese Erinnerung wachzuhalten ? trotz mannigfaltiger Rufe nach einem „Schlussstrich“, weil immer weniger Zeitzeugen am Leben sind.

„Haben wir fertig erinnert?“ – Nein. Wir sind es den Millionen Opfern schuldig, ihrer zu gedenken, damit sie nicht gänzlich vergebens gestorben sind. In der Jerusalemer Gedenkstätte „Yad vashem“ brennt eine ewige Flamme. Sie ruft uns auf, unser Gedenken immer wieder neu zu gestalten, damit wir aus der Vergangenheit lernen und wir dadurch befähigt werden, eine bessere Zukunft zu gestalten.

 

Vorwort Manfred Mühlmann, Projektbetreiber novemerpogrom1938.at

Der Komponist Bert Breit hat 1997 sein Werk „Concerto funebre“ den Innsbrucker Opfern der Pogromnacht gewidmet und ihnen dadurch ein Mahnmal errichtet. Zu den Opfern in Innsbruck zählt auch das Ehepaar Emma und Julius Pasch, deren Kinder auf dem Plakat für das Konzert abgebildet sind. Das Foto datiert aus dem Jahr 1928. Nur Jahre später verwandelt sich das Leben aller Juden und Jüdinnen in einen Überlebens- und Todeskampf. Der Historiker Martin Gilbert bezeichnet die Reichspogromnacht als „Auftakt zur Vernichtung“.
Am 7. November 1938 verübt der 17jährige polnische Jude Herschel Grynzspan ein Schussattentat auf den deutschen Botschaftssekretär Ernst Eduard vom Rath in Paris. Der Tod des Diplomaten mündet in einer gezielten antisemitischen Racheaktion in Deutschland und in Österreich. In Innsbruck werden auf Befehl von Gauleiter Franz Hofer in der Nacht vom 9. auf den 10. November Rollkommandos von SSMännern in Zivilkleidung gebildet, um gegen die jüdische Bevölkerung brutal vorzugehen. Richard Graubart, Wilhelm Bauer und Richard Berger werden ermordet, andere schwerst verletzt und mißhandelt – unter ihnen Josef Adler, der 2 Monate später stirbt. 18 Männer werden festgenommen und viele Wohnungen sowie der Innenraum der Synagoge schwer beschädigt. Der jüdischen Bevölkerung wird in zynischer Weise eine Strafzahlung für den entstandenden Sachschaden abverlangt.
Bereits kurz nach dem „Anschluss“ schicken Emma und Julius Pasch ihre älteren Kinder Hilde, Edith, Marianne und Hans ins Ausland. Das Schuhhaus Julius Pasch in der Maria Theresien Straße wird im Juli 1938 arisiert. Am 1. November 1938 wird das Ehepaar zusammen mit den jüngsten Töchtern Gerda und Ruth aus ihrer Wohnung im 3. Stock des Zelgerhauses in der Anichstrasse 1 vertrieben. Anna Seidl und Adolf Neumann nehmen die Familie Pasch zu sich in die Wohnung in der Andreas Hofer Strasse 29. Einen Tag nach der Zwangsumsiedelung springt eine Nachbarin aus dem Fenster. Rosa Goldenberg wählt den Freitod, um der Ausweglosigkeit zu entkommen. Die 17jährige Gerda und die 14jährige Ruth werden Augenzeugen des Selbstmordes. In der Pogromnacht werden Anna Seidl und Adolf Neumann in ihrer Wohnung niedergeschlagen. Die Schlägertrupps übersehen dabei das Ehepaar Pasch und verschonen Gerda und Ruth. Dem Ehepaar und allen Kindern gelingt die Flucht. Sie überleben die Shoah und finden nach Jahren der Trennung in den Vereinigten Staaten wieder zusammen.
Mein Internetprojekt macht das tragische Schicksal vieler Innsbrucker Juden und Jüdinnen sichtbar, das so dem Vergessen entrissen werden soll. Mit diesem Konzert wird der virtuelle Erinnerungsraum um einen realen erweitert. Erlebte Musik kann sich – wie Madame de Staël meint – ins Gedächtnis einprägen: „Nichts ruft die Erinnerung an die Vergangenheit so lebhaft wach wie die Musik.“
Mein Dank gilt den Musikern der Akademie St. Blasius und Karlheinz Siessl, dem Dirigenten und künstlerischen Leiter des Orchesters – ohne die eine Realisierung des Konzerts nicht zustande gekommen wäre. Bedanken möchte ich mich bei Valerie Neal, der Tochter von Ruth Pasch, für das Foto; bei Matthias Breit für die Aufführungsrechte; bei Barbara Prammer für den Ehrenschutz; bei Esther Fritsch und Thomas Lipschütz von der Israelitischen Kultusgemeinde, beim Ensemble Plus und ORF Vorarlberg; beim Österreichischen Nationalfonds, bei Lilly Moser und Julia Solerti vom büro54, bei Johannes Weiss und Daniela Weiss-Schletterer von VierundEinzig, bei den Historikern Niko Hofinger, Horst Schreiber, Lukas Morscher und Thomas Albrich, bei Josef Lanz von Musik und Kirche, beim Geschäftsführer der IVB Martin Baltes, bei Karl Gostner vom TVB Innsbruck, beim Land Tirol und der Stadt Innsbruck.

 

Preface Manfred Mühlmann

The composer Bert Breit wrote his Concerto funèbre (Funeral Concerto) as a memorial to the victims of the November Pogrom Night in Innsbruck. Emma and Julius Pasch, whose children appear on the poster for the concert, were among the victims. The photo was taken in 1928; only a few years later the life of the Jews would turn into a fight for survival. Historian Martin Gilbert called the Pogrom Night “a prelude to annihilation”.
On 7 November, 1938, a seventeen-year-old Polish Jew, Herschel Grynzspan, assassinated the German secretary of the French embassy, Ernst Eduard vom Rath, in Paris. The death of the diplomat caused anti-Semitic retaliatory measures in Germany and Austria. In Innsbruck Gauleiter Hofer ordered the formation of raiding parties of SS in civilian clothes, that took brutal action against Jewish citizens. Richard Graubart, Wilhelm Bauer, and Richard Berger were murdered, others seriously injured or maltreated, among them Josef Adler, who died two months later. 18 men were arrested and many Jewish residences, as well as the synagogue, were severely damaged. In a cynical administrative act, it was decided that the Jewish population would have to pay compensation for the damages.
Shortly after the Anschluss Emma and Julius Pasch sent their older children, Hilde, Edith, Marianne, and Hans abroad. The shoe shop Julius Pasch in Maria Theresien Straße was “Aryanised” in July 1938. On November 1st, 1938, the couple and their youngest daughters, Gerda and Ruth, had to leave their flat on the third floor of 1 Anichstraße. Anna Seidl and Adolf Neumann gave them shelter in their flat on 29 Andreas Hofer Straße. A day later a neighbor, Rosa Goldenberg, committed suicide, jumping out of the window of her residence, to escape the hopeless situation. 17-year-old Gerda and 14-year-old Ruth witnessed the suicide. During the Pogrom Night Anna Seidl and Adolf Neumann were beaten up in their flat, but the SS overlooked Mr. and Mrs. Pasch and they spared Gerda and Ruth. The Paschs and all their children were able to flee. They survived the Shoah and after years of separation met each other again in the USA.
My internet project visualizes the tragic fate of many Jewish citizens from Innsbruck in order to prevent them from being forgotten. This concert creates a concrete space of memory, which compliments the virtual one on this website. According to Madame de Staël, music can make a deep impression on one’s mind: “Nothing promotes a more vivid remembrance of the past than music”.
I would like to thank the musicians of the Akademie St. Blasius as well as Karlheinz Siessl, the conductor and artistic director of the orchestra, without whom the concert could not have been staged. I would also like to thank: Valerie Neal, the daughter of Ruth Pasch, for the photos; Matthias Breit for the performance rights; Barbara Prammer for her patronage; Esther Fritsch and Thomas Lipschütz from the Jewish religious community; the Ensemble Plus and ORF Vorarlberg; the Austrian national fund; Lilly Moser und Julia Solerti of büro54; Johannes Weiss and Daniela Weiss-Schletterer of VierundEinzig, historians Niko Hofinger, Horst Schreiber, Lukas Morscher and Thomas Albrich; Josef Lanz of Musik und Kirche; Martin Baltes, CEO of IVB; Karl Gostner of TVB Innsbruck; Land Tirol and the City of Innsbruck.

Translation: Mag. Gerhard Buzas

 

 

Fotos von Stefan Runge vom Konzert in Innsbruck im VierUndEinzig am 10. November 2013

© Stefan Runge
Andreas Ticozzi   Andreas Ticozzi
Akademie St. Blasius, Karlheinz Siessl, Andreas Ticozzi   Andreas Ticozzi, Karlheinz Siessl
Brenden Gunnell   Brenden Gunnell
Brenden Gunnell    
Akademie St. Blasius   Akademie St. Blasius
     

 

 

 

 

Concert 75th Anniversary "Kristallnacht"

 

In November 2013 a concert series to commemorate 75th anniversary of “Kristallnacht” took place in Innsbruck, Brixen and Dornbirn.

Program:

  • Concerto funebre for viola and strings - dedicated to victims of Kristallnacht 1938 in Innsbruck by Bert BREIT
  • Study for strings by Pavel HAAS and
  • Nocturne for tenor, seven obbligato instruments and strings by Benjamin BRITTEN

Musicians:

  • Orchestra Academy of St. Blasius
  • Conductor Karlheinz Siessl
  • Andreas Ticozzi, Viola
  • Brenden Gunnell, Tenor

Schedule:

  • Friday, November 8th, 2013 - 08:00 p.m. Freinademetzkirche Milland, Brixen (I)
  • Sunday, November 10th, 2013 - 11.00 a.m., ORF Studio Dornbirn (A)
  • Sunday, November 10th 2013 - 08:00 p.m., Vierundeinzig, Innsbruck (A)

Links:

 

 
 
 


 
 

update 04.01.2014

 
     

© 2000 - 2016 Manfred Mühlmann