david stern
Titel Orte des Novemberpogroms 1938 in Innsbruck
 
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LEOPOLDSTRASSE - Stadtteil Wilten

 

Leopoldstraße 28

Leopoldstrasse 28, Hausschild
 

In der Leopoldstraße 28 befanden sich das Geschäftslokal und eine Schnapsbrennerei der Firma "Branntweinbrennerei und Likörfabrik Alois Hermann" sowie der Wohnsitz der Familie Hermann. Durch einen Übertrag des Besitzes an seinen minderjährigen Enkel Klaus Wild - Nachkommen von Richard Hermann und Martha Wild - versuchte Alois Hermann eine Zwangsarisierung zu umgehen. Auch eine Festnahme durch die Gestapo am 21. September 1938 hinderte ihn nicht an seinem Vorhaben. Nach der Haftentlassung im Oktober 1938 wurde er mit seiner Frau Wilhelmine Hermann, geb. Vogel und seinem Sohn Richard nach Wien zwangsumgesiedelt.

Leopoldstrasse 28

November 2008 © Thomas Kleissl

 

In der Pogromnacht stürmten SS-Männer das Geschäftslokal und hinterließen erheblichen Sachschaden, welcher zum Teil der Familie in Rechnung gestellt wurde.

Der mit Tochter Margarethe verheiratete Ing. Richard Graubart wurde in jener Nacht in der Gänsbacherstraße 5 brutal ermordet. Alois und Wilhelmine Hermann erlebten die "Reichskristallnacht" in Wien.

Stadtarchiv Hermann Leopoldstrasse

Leopoldstrasse 28 - Branntweinbrennerei Alois Hermann, 1938 (a)

 

Der im Auftrag von Gauleiter Franz Hofer agierende Arisierungskommissar Hermann Duxneuner setzte u.a. SS-Rottenführer Alois Mössmer als Treuhänder des Betriebes ein. Martha Wild, die geschiedene Ehefrau von Richard Hermann - die Scheidung war bewusst gesetzt, um den "Nürnberger Rassegesetzen" zu entsprechen - stimmte schlussendlich im Jänner 1940 einem Tausch- und Kaufvertrag zu, bei der die Immobilie Leopoldstraße 28 mit dem Wohnhaus vom Südtiroler Adolf Lauda in der Amraserstraße 13 getauscht wurde. Das geschätzte Gesamtvermögen von rund 1,3 Millionen Reichsmark war auf 90.000 Reichsmark geschrumpft, dem im Vertrag angegebenen Wert des Objektes in der Amraserstraße.

Nach dem Novemberpogrom flüchteten die Schwestern Margarethe Graubart und Elisabeth Kirchlechner mit ihren Kindern nach England bzw. in die USA. Ihre Eltern kamen über das polnische Zwangsarbeitslager Lódz in das Vernichtungslager Chelmno (Kulmhof). Dort wurden Wilhelmine und Alois Hermann 1942 bei einem Lastwagentransport vergast.

Nach einem Rückstellungsverfahren wurde durch einen gerichtlichen Vergleich im März 1951 die ehemalige Firma Hermann sowie die Liegenschaft Leopoldstraße 28 an die rechtmäßigen Erben, u.a. die nach Innsbruck zurückgekehrte Margarethe Graubart, zurückgegeben und eine Ablöse von 100.000 Schilling bezahlt.

 

Stadtrundfahrt

 

update 04.01.2014

 

 
Literatur: Christoph W. Bauer

- Graubart Boulevard, Haymon Verlag Innsbruck-Wien 2008

- "I never liked the cold - Mit Vera Graubart im Gespräch", in: in: Die zweite Fremde - Zehn jüdische Lebensbilder, Haymon Verlag Innsbruck-Wien 2013, S 155-172

Horst Schreiber

- Die "Arisierung" der Innsbrucker Firma Alois Hermann, in: Tiroler Heimat, Band 64, 2000, S 237-258

- Jüdische Geschäfte in Innsbruck - Eine Spurensuche, Projekt des Abendgymnasiums Innsbruck; Tiroler Studien zu Geschichte und Politik 1, Michael-Gaismair-Gesellschaft (Hg.) , StudienVerlag 2001, S 63-65

 

Bildnachweis: (a) © Stadtarchiv / Stadtmuseum Innsbruck
 

© 2000 - 2016 Manfred Mühlmann